173. Bremer Montagsdemo
am 10. 03. 2008  I◄◄  ►►I

 

Die Emanzipation am Herde daheim

Bettina Fenzel1. Wendehälse sind Leute, die eine innere Kehrtwende betreiben: Sie erklären etwas für Recht, das Umrecht ist! Wendehälse verteidigen ein kapitalistisches Ausbeutersystem, das übrig geblieben ist nach den Zusammenbruch des Ostblocks.

Die Erkenntnis, dass es dort keinen Sozialismus gab, sondern eine Diktatur im bürgerlichen Sinne mit einen Staatskapitalismus, kann nicht als Begründung dafür dienen, einen Kapitalismus zu verteidigen, der auf dem Fundament des Privateigentums an Produktionsmittel beruht! Das führt nur dazu, dass die Menschen in der ganzen Welt ausgeplündert werden. Dass es keinen Sozialismus gab, heißt noch lange nicht, dass die Idee des Sozialismus und Kommunismus schlecht ist!

Wie sehen Wendehälse heute aus? Sie bieten Ein-Euro-Jobs an und behalten die Gewinne für sich, wie bei der „Bras“. Sie beuten Ein-Euro-Jobs aus: Einige wenige führen ein gutes Leben auf Kosten der Menschen in den Betrieben! Nur ganz wenige versuchen, mit Ein-Euro-Jobs nicht so zu handeln wie die „Bras“. Das ändert nichts daran, dass objektiv Menschen mit Ein-Euro-Jobs ausgebeutet und auf diese Weise die Kosten der gesellschaftlich notwendigen Arbeit verbilligt werden.

Wendehälse haben sich in System Kapitalismus eingerichtet. Sie denken nur an ihre Vorteile und vergessen die menschliche Solidarität. Sie verbreiten einen Sozialdarwinismus, der im Gewand der Gewinner und Verlierer der „Globalisierung“ daherkommt. Er beraubt Menschen ihrer sozialen und kulturellen Würde und will ihnen das Existenzrecht nehmen. Wer lässt Waffen bauen, aus welchem Grund? Es geht darum, mit Militär und Polizei einige wenige Reiche zu schützen, die um des Profits willen Menschen und Rohstoffe ausbeuten und auf Kosten der Allgemeinheit leben!

Wendehälse geben antikapitalistische Positionen auf und kämpfen nicht für eine andere Welt, die nötig und möglich ist und die auf einem ökologischen, sozialistischen und demokratischen Fundament besteht, das die Voraussetzung ist, den Frieden zu sichern, um aus der Barbarei des Kapitalismus herauszuführen! Wendehälse verraten das, wofür sie einstmals selber standen. Sie üben keine Kritik am Zusammenbruch des Ostblocks, die doch berechtigt wäre. Sie wollen nicht erkennen, dass weder das kapitalistische Privateigentum an gesellschaftlich notwendigen Produktionsmitteln noch der Staatskapitalismus zu verteidigen sind! Wer ist ein Wendehals und will es sein?

 

2. Am 9. März 2008 fand um 15 Uhr im „Nachbarschaftshaus Ohlenhof“ eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag statt. Unter anderem wurde ein Kabarettstück von Laien inszeniert, denen hiermit für ihren gelungenen Auftritt gedankt sei! Leider fand keine Diskussion statt. Die Satire handelte davon, dass die Familienministerin und die Kanzlerin zu Wort kamen: Sie wollten uns den patriarchalen Kapitalismus in seiner neoliberalen Ausprägung als „Emanzipation der Geschlechter“ verkaufen.

Wir sollten froh darüber sein, dass Frauen in der Bundeswehr dienen könnten, diese verteidige die „Rechte der Frauen“. Die Familienministerin erklärte es für richtig, dass eine Gemeinde ab 20.000 Einwohnerinnen nicht verpflichtet ist, hauptamtliche Frauenbeauftragte einzustellen: Schließlich leiste sie bereits deren Aufgaben, obwohl sie Mutter von sieben Kindern sei. Auch das „Mehrgenerationenhaus“ pries sie als Fortschritt an: Frauen müssten sich ihrer „Eigenverantwortung“ bewusst sein. Zurück zum Herd, das sei die „Emanzipation“ der Frauen! Die Kanzlerin behauptete, der massive Sozialabbau sei keine „Grausamkeit“, sondern „Notwendigkeit“. „Auch die Sicherheitsgesetze von Herrn Schäuble sind richtig, sie schützten vor Terrorismus“, so Merkel im Kabarett.

Wir Frauen und Männer sind dazu aufgerufen, uns die Befreiung aus patri­archalisch-kapitalistischen Verhältnissen zum Ziel zu setzen und über die Versklavung von Frauen und Männern nachzudenken, die im Gewand des Feminismus daherkommt! Dazu kann ich als Frau nur sagen: Das patriarchale Kapital wünscht, dass wir Frauen Kinder gebären, um durch Kriege zu billigen Rohstoffen zu gelangen. Die Ware Arbeitskraft soll dem Kapital billig zur Verfügung stehen, um dessen Profite zu vermehren!

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan für die „Rechte von Frauen“ führt zu Vergewaltigung durch Angehörige der Streitkräfte, die auch an Zwangsprostitution und Frauenhandel mitverdienen. Frauen, die vergewaltigt oder in Zwangsprostitution getrieben wurden, sind von „Ehrenmorden“ ihrer Ehemänner und Familien bedroht und werden vertrieben! So sieht der Einsatz der Bundeswehr für die „Rechte der Frauen in Afghanistan“ aus! USA und Nato haben dort den Einsatz von Uranwaffen zu verantworten. Deren Strahlung ist für Missbildungen bei Säuglingen verantwortlich. Sie und auch Erwachsene sterben qualvoll an Krebs! Wer stellt die Verantwortlichen vor ein Kriegsverbrechertribunal?

Ja, die Familienministerin hat genügend Geld, um ihre sieben Kinder qualifiziert ausbilden und betreuen zu lassen! Mit den Hartz-Gesetzen und der Agenda 2010 sorgt sie mit Kanzlerin Frau Merkel für die Grausamkeit, dass Frauen in der patriarchal-kapitalistischen Falle gefangen sind: Sie werden in der Abhängigkeit vom Einkommen des Mannes gehalten. Reicht dieses nicht, werden sie gezwungen, im Niedriglohnsektor zu arbeiten, als Teilzeitkraft oder Ein-Euro-Jobberin. Wer kann sich da eine teuere Bildung und qualifizierte Betreuung für seine Kinder leisten? Nur wer heute ein Abitur vorweisen kann, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt!

Und das „Mehrgenerationenhaus“ hat zum Ziel, dem Kapital die Kosten für gesellschaftlich notwendige Arbeit zu senken. Frauen sollen „eigenverantwortlich“ unentgeltliche oder gering bezahlte Arbeit leisten, damit das Kapital seine Profite mehren kann. Das soll uns als „Emanzipation“ verkauft werden. Es ist nur eine Mogelpackung! Für Frauen und Männer ist es wichtig zu erkennen, dass es die Befreiung der Geschlechter im patriarchal-kapitalistischen System nicht geben kann. Uns stellt sich die Frage: Wie können wir aus den vorgegebenen Rollenbildern ausbrechen?

Bettina Fenzel (parteilos)
 
Statistik sagt nur die halbe Wahrheit: 3,2 Millionen Arbeitslose
gelten nicht als arbeitslos („Frankfurter Allgemeine Zeitung“)

 

Endlich Karriere dank
Geschlechtsumwandlung

Elisabeth Graf1. Zum 97. Mal jährte sich vergangenen Samstag der Weltfrauentag. Immer wieder komme ich aus dem Staunen nicht heraus: Da spricht sich die EU-Kommissarin Viviane Reding für die Abschaffung des Internationalen Frauentages aus! „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben“, verlautbarte sie am Donnerstag in Brüssel. Immer wieder höre ich, dass gerade junge Frauen glauben, sie wären bereits emanzipiert. Wenn die wüssten – aber offenbar wissen sie noch nicht!

Für einige wenige mag es so sein, dass sie zum Beispiel ein ebenso hohes Gehalt bekommen wie ihre männlichen Kollegen. Bankkauffrauen könnten ihr monatliches Einkommen durch eine Geschlechtsumwandlung um etwa 700 Euro erhöhen. Solch ein operativer Eingriff würde auch Großhandelskauffrauen rund 500 Euro mehr Gehalt bringen. Obwohl der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen kontinuierlich sinkt, liegt er europaweit nach wie vor bei 15 Prozent. Im konservativen Deutschland sind es sogar 22 Prozent. Auf den Stundenlohn gerechnet bekommen sie sogar bis zu 26 Prozent weniger als Männer mit vergleichbaren Arbeitsplätzen. Damit liegt Deutschland in der Europäischen Union auf dem letzten Platz!

2006 erhielten in Hamburg weibliche Angestellte im Handel, Kredit- und Versicherungswesen 3.159 Euro brutto, ihre männlichen Kollegen kamen hingegen auf 4.259 Euro. Im produzierenden Gewerbe verdienen in der Hansestadt Arbeiterinnen sogar 700 Euro weniger als Männer in der gleichen Position. Deswegen forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund zum diesjährigen Frauentag mal wieder oder immer noch: „Ich bin mehr wert“, nämlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit! In Deutschland ist das leider keineswegs selbstverständlich. Frauen werden von vornherein niedriger eingruppiert und erhalten seltener Leistungszulagen. Nachzuweisen und sogar gerichtlich anzufechten ist eine solche subtile Diskriminierung nur schwer, da Vergleichsdaten häufig fehlen.

Oft wird dieser selbstherrliche „Pimmelbonus“ in Form von geringerer Bezahlung von Frauen mit den unterschiedlichen Erwerbsbiografien „begründet“. So einfach kann man(n) sich das machen: Männer zeugen Kinder, und Frauen ziehen sie dann groß. Daran hat das die Besserbetuchten bevorzugende Elterngeld leider herzlich wenig geändert: Väter nehmen nach wie vor nur sehr selten die Elternzeit in Anspruch. Aber das liegt eigentlich auf der Hand, denn mit dem Auszahlen von bis zu 68 Prozent des Vatergehaltes würde ein noch größeres Loch in die Haushaltskasse gerissen, als wenn nur Mutters Verdienst geringer ausfiele!

Wenn mehr Männer in Elternzeit gingen und selber merken würden, welche Schwierigkeiten sie bei einem beruflichen Wiedereinstieg meistern müssten, würde das Thema längst mehr diskutiert werden. Obwohl Frauen die besseren Schul- und Ausbildungsabschlüsse absolviert haben, sind sie in den Chefetagen so schwer zu finden wie eine Nadel im Heuhaufen. Frauen werden lieber als Mütter und Dazuverdienerinnen angesehen! Für eine befriedigende Berufsausübung mit erfolgreicher Karriere stellt die Mutterrolle ein messbares Hindernis da.

Gleichwohl könnten Unternehmen von Müttern in Leitungspositionen profitieren, denn sie zeichnen sich oft durch Gelassenheit, Organisationstalent und Pragmatismus aus. Mehr arbeitende Frauen brächten uns zudem einen Wandel der ökonomischen Struktur der Gesellschaft. Wer selbst kaum zu Hause ist, bezahlt eher eine Tagesmutter oder eine Putzfrau. Frauen sind regelrechte Multiplikatoren, was das Wirtschaftswachstum angeht! Tatsächlich sorgen sie vor allem dafür, dass bislang unbezahlt geleistete Arbeit in Geld fassbar wird und in die offiziellen Zahlen eingeht. Dass die neuen Arbeitsplätze auch angemessen bezahlt werden und so auch insgesamt zu mehr Wohlstand führen, ist allerdings längst nicht gesagt.

Seit der Einführung des menschenverachtenden Hartz IV wurden die Hilfen für Wiedereinsteigerinnen gegen null gefahren. Außerdem haben langzeitarbeitslose verheiratete Frauen kaum noch Anspruch an Leistungen aus der Arbeitsförderung, weil das Einkommen ihrer Männer zu oft die niedrige Bedarfsgrenze übersteigen würde. Da haben Frauen nun jahrelang den Spagat zwischen Kindern, Haushalt und Beruf hingekriegt, brav in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt – und wenn sie dann langzeitarbeitslos werden, gehen sie leer aus! Dann gibt es noch die sogenannten Frauenberufe, zu denen vor allem soziale und dienstleisterische Tätigkeiten gehören. Diese werden traditionell schlechter bezahlt.

Es gibt noch etliches mehr zu bemängeln. Darum ist der 8. März für mich ein Mahnmal, eine Erinnerung daran, dass wir uns für die Umsetzung eines Menschenbildes einsetzen, das Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer Herkunft gleiche Rechte und Pflichten einräumt. Wir Frauen haben damit begonnen, uns zu vervollständigen, indem wir unsere unterdrückten Qualitäten nicht mehr an die Männer delegieren, sondern nun selber entwickeln. Es ist an der Zeit, dass auch die Männer anfangen, ihre sogenannten weiblichen Eigenschaften nicht mehr nur auf uns Frauen zu projizieren. Fürsorglichkeit, Empathie und Bindungsfähigkeit dürfen nicht länger als Schwäche oder Minderwertigkeit bewertet werden, sondern müssen endlich als die gemeinnützigen Fähigkeiten für eine menschliche Gesellschaft anerkannt werden, die sie sind!

Umgekehrt könnten wir Frauen uns auch ein wenig mehr Konkurrenzfähigkeit bei den Männern abgucken und bei Bedarf die Hände zu Fäusten ballen. So hat sich angesichts untätiger Behörden eine Gruppe von Frauen im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh zusammengetan, um selber gegen die ausufernden gesellschaftlichen Missstände vorzugehen. Seitdem setzt sich die „Pink Gang“ – notfalls auch mit Gewalt – für die Machtlosen der Region ein. Zu spüren bekamen dies nicht nur gewaltbereite Ehemänner, auch tatenlose Polizisten und korrupte Beamte machten bereits Bekanntschaft mit der stets in Pink gekleideten Selbsthilfegruppe. Um die Rechte eines Unberührbaren durchzusetzen, wurde dabei auch vor der Erstürmung einer lokalen Polizeistation nicht Halt gemacht.

„Niemand kam uns zu Hilfe“, deshalb sei man gezwungen gewesen zu handeln, so Sampat Pal Devi, die vor mehr als zwei Jahren die „Pink Gang“ ins Leben rief. Damals entschied Pal Devi, dass der Ehemann ihrer Schwester am eigenen Leib spüren sollte, was er dieser zuvor angetan hatte, und sie erteilte diesen zusammen mit einer Gruppe von Frauen – bewaffnet mit Holzstöcken, Eisenstangen und Cricketschlägern – in einem Zuckerrohrfeld nahe der Ortschaft Attara eine „Lektion“. Der einzige Weg, der Diskriminierung von Frauen in der männerdominierten Gesellschaft von Banda entgegenzutreten sei laut Pal Devi, die Männer das Fürchten zu lehren. Bei dem Versuch, sich Respekt zu verschaffen, gibt es also verschiedene Möglichkeiten. Dabei will ich selbstverständlich nicht zu Gewalt aufrufen. Aber manchmal sind Denkzettel als Anstoß unvermeidlich. Mädels, krempelt die Ärmel hoch: Es gibt noch unendlich viel zu tun!

 

2. Das „Straubinger Tagblatt“ berichtete von einer Frau, die wegen Diebstahls von Lebensmitteln im Wert von drei Euro zu sechs Monaten Haft auf Bewährung mit einer Bewährungszeit von drei Jahren und Meldepflicht bei einem Bewährungshelfer sowie hundert Sozialstunden verurteilt wurde. Weil ihr das Arbeitslosengeld II gleich für drei Monate gesperrt worden war, lebte sie in dieser Zeit von „nichts“. Als der Hunger zu groß wurde, steckte sie in einem Kaufhaus ein Paket Nudeln und eine Büchse Würstchen in ihre Stofftasche und wollte das Kaufhaus damit verlassen. Zu ihrem Pech wurde der Diebstahl von einer Detektivin beobachtet und verfolgt. Vor dem Kaufhaus kam es zum Gerangel zwischen den beiden, wobei die Detektivin an der Hand gekratzt wurde und aus der Kratzwunde Blut sickerte. Damit wurde aus dem kleinen Diebstahl die schwere Straftat des „räuberischen Diebstahls“, und die Mühlen der Justiz begannen zu mahlen.

Wir erinnern uns an den ersten Fall im letzten Jahr: In Speyer verhungerte ein junger Mann in seiner Wohnung, die Mutter konnte gerade noch gerettet werden. Auch diesen beiden wurde das Arbeitslosengeld „auf null gekürzt“. Der zweite Fall ereignete sich in Niedersachsen: Ein 58-jähriger Hannoveraner hungerte sich auf einem Hochsitz zu Tode, als er im Oktober kein Arbeitslosengeld mehr erhielt. Dazu kam diese Woche auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ die Mitteilung der Bundesregierung, dass es 2007 einen „signifikanten Anstieg der Sanktionen gegen Arbeitslose“ gegeben habe, nämlich um 66 Prozent beim ALG II und um 21 Prozent beim ALG I. Dabei war erwiesenermaßen ein großer Teil der verhängten Sanktionen unberechtigt!

Diese Enteignung und Entwürdigung von Millionen Menschen durch die Ämter muss endlich gestoppt werden! Ich kann einfach nicht verstehen, wie von jemandem rechtskonformes Verhalten erwartet werden kann, dem zuvor die Lebensgrundlage entzogen wurde und den man nun hungern lässt! Vor der neoliberalen Ökonomisierung der Gesellschaft gab es mal einen Paragrafen, der solcherlei Mundraub nicht unter Strafe stellte. Aber der Aufschwung ist ja da: Die Mittelschicht schrumpft, beim Wachsen der Wirtschaft fallen die realen Nettolöhne ins Bodenlose. Und dann ist ganz Deutschland auch noch im „Überstundenfieber“ – unbezahlt, versteht sich selbstredend!

Elisabeth Graf (parteilos, aber Partei ergreifend)
 
Geschönte Statistik: Deswegen musste 2002 der Chef der Bundes­anstalt für Arbeit Jagoda zurücktreten („Süddeutsche Zeitung“)

 

Wie neulich eine Linke
niedergemacht wurde

Sündenböcke finden sich immer, und der Zweck heiligt stets die Mittel, wenn es darum geht, vom eigenen Desaster abzulenken. So war es auch am Sonntagabend bei der Sendung von Anne Will, wo die Talk-Gäste von SPD, CDU und CSU mal wieder kräftig auf die antikommunistische Pauke droschen. Gerade so, als wären nicht besagte Parteien mit ihrem Kriegs- und Sozialkahlschlagskurs an Wählerschwund und eigenem Verfall schuld, sondern „Die Linke“ und die DKP. „Panorama“ hatte am 14. Februar 2008 entscheidende Passagen aus einem Interview mit Christel Wegner grob verfälscht wiedergegeben und ihr die Worte „Stasi“ und „Mauer“ einfach untergeschoben. Dies haben die bei Anne Will anwesenden Parteienvertreter natürlich genüsslich ausgeschlachtet. Übrigens hat die „Panorama“-Sendeleitung die verlogene Manipulation bis heute nicht korrigiert.

Wieland von HodenbergIn einer persönlichen Erklärung („Unsere Zeit“ vom 22. Februar 2008) stellte Christel Wegner klar, sie habe in dem Interview lediglich gesagt, dass jeder Staat einen Geheimdienst besitze und dies auch für einen sozialistischen Staat gelte. Es sei doch klar, dass es ihr nicht darum gehe, die Stasi wiederzubeleben, die Mauer neu zu bauen oder den Niedersachsen ihr Eigenheim zu enteignen. Im übrigen habe die DKP schon immer die Auflösung der Geheimdienste gefordert, so Christel Wegner. Dann sprach sie sich dafür aus, die Großkonzerne in Gemeineigentum zu überführen, und da ist ihr in vollem Umfang zuzustimmen! Dessen ungeachtet machten die niedersächsische Landtags-„Linke“ und die Berliner Parteispitze mit dem Rausschmiss von Christel Wegner überhaupt keine gute Figur. So etwas nützt nur den Herrschenden!

Am Ostblock-„Realsozialismus“ und der Haltung der DKP hierzu ist durchaus Kritik angebracht, und die ist auch absolut berechtigt. Doch es geht den Initiatoren der Diffamierungskampagne in erster Linie um die Abschottung alternativer und antikapitalistischer Ideen und um die Spaltung der gesamten Linken. Deshalb wollen sie keine politische Auseinandersetzung und demokratischen Meinungsstreit, sondern Ausgrenzung und Tabuisierung. Es geht um die Durchsetzung von Denkverboten im Sinne einer verordneten antikommunistischen Staatsdoktrin. Die Verhinderung einer solchen Doktrin ist noch möglich, wenn wir alle gemeinsam für einen grundlegenden Politikwechsel kämpfen!

Wieland von Hodenberg („Bremer Friedensforum“, „Solidarische Hilfe“)
 
SPD-Rechte Metzger bleibt standhaft: Königinnenmörderin
wird noch gebraucht („Spiegel-Online“)
 
Offener Brief an Willi Lemke: Fassungslos, dass ein deutscher Geheimdienst
einen geachteten Menschenrechtler observiert („Georg-Elser-Initiative“)
 
Sozialetat entlastet: Berlin vergibt Staatsaufträge nur
noch an Mindestlohn-Firmen („Spiegel-Online“)

 

Streikdrohung ist die richtige
Antwort auf Trickserei

Jobst RoseliusAm vergangenen Sonnabend, dem 8. März, war Internationaler Frauentag, der Tag der weltweiten Frauenpower! Ich selbst durfte in Bremerhaven an einer schön gestalteten Diskussionsveranstaltung von türkischen Freunden teilnehmen, mit anschließendem Essen selbst gekochter und gebackener Speisen. Leider konnte ich nicht viel verstehen, freute mich aber an der fast gleich großen Zahl von Frauen und Männern als Besucher. Auch die Beteiligung an der Diskussion bewies, dass die Frauen ihren Beitrag zur Analyse und politischen Position gleichberechtigt vortrugen. So etwas zu erleben, das tut gut!

Nach diesem Beispiel, wie es sein sollte und könnte, müssen wir wieder über die aktuelle Politik reden. „Bahnchef“ Mehdorn, wie er sich hochstapelnd nennt, hatte mal wieder versucht, den im Kampf errungenen Tarifvertrag der Lokführer mit einem „Trick 17“ außer Kraft zu setzen und die Lokführer zu kleinen Schoßhündchen hinter den zahnlosen SPD-gesteuerten anderen Bahngewerkschaften zu machen. Die Streikandrohung der GDL war die richtige Antwort! Den Arbeitgeberbossen wie Hundt und Kannegießer schwante schon Böses, und sie drohten von der anderen Seite. Endlich musste Mehdorn von seinen Tricksereien ablassen. Das ist der Erfolg einer solidarischen Kampfkraft! Den nächsten Streik haben Schäuble und seine Länder- und Gemeindearbeitgeber heraufbeschworen: Außer ihrer Mogelpackung einer Nullrunde bieten sie nichts an. Alle am öffentlichen Dienst beteiligten Gewerkschaften von der Polizei bis Verdi tun gut daran, weiter jeden für ihre Position der acht Prozent mehr Lohn zu gewinnen. Die Bereitschaft zu kämpfen ist riesengroß!

Die Schäuble und Konsorten, die sich die Taschen nach Belieben füllen, die uns nach Strich und Faden ausspionieren und in Afghanistan verfeuern wollen – denn für all das steht Schäuble, ein widerwärtiger Reaktionär! –, diese Leute sollten nicht versuchen, sich an Mehdorn ein Beispiel zu nehmen: Das geht schief! Unterstützen wir alle aktiven Gewerkschafter! Gemeinsamer Kampf gegen die ganze volksfeindliche Regierungspolitik wird auch Hartz IV und andere kriminelle Verhungerungsgesetze hinwegfegen! Dazu gehört auch die Verrechnung von Kindergeld mit dem Hartz-IV-Regelsatz. Auf über drei Millionen Arme hat es diese Regierung mit ihren kriminellen Gesetzen schon gebracht! Der Unterschied im Bruttoverdienst zwischen Männern und Frauen beträgt 23 Prozent, und wenn frau älter als 55 ist, sogar 26,7 Prozent!

In Frankreich, wo über Sarkozy eine große Ernüchterung eingekehrt ist, haben in der letzten Woche in vielen Städten erste Rentner-Demonstrationen gegen die geplante „Rentenerhöhung“ von 1,1 Prozent stattgefunden, da die Inflation bereits 2,6 Prozent beträgt. Hierzulande sind wohl weniger als 0,5 Prozent geplant! Manch ein Rentner kann das vielleicht noch verknusen, aber die vielen, die es knapp haben, sollten mal nachdenken und ihr Vertrauen in die „kluge Regierung“ auf den Müll werfen! Jung und alt gemeinsam für eine andere Zukunft, das müssen wir schaffen!

Jobst Roselius
 
Denkfehler wird fünf Jahre alt: Hartz IV zeichnet ein falsches Bild vom Arbeitsmarkt, indem es suggeriert, jeder Mensch sei „vermittelbar(„Spiegel-Online“)
 
Unfähig zur Erwerbsarbeit: Einen Karl Marx würden die heutigen Sozialdemo­kraten erst zum Frisör und dann ins Jobcenter schicken („Spiegel-Online“)

 

Träume vom „Sozialstaat“

/ a – / – e / d – / – a / d – a / – e / – d – e / – a /
Kalte Tage, mein Freund
Und nichts so recht zu wärmen da,
Kalter Wind pfeift auch durch Amtsstuben
Sag mir, waren sie jemals warm?
Dich und mich schmissen sie raus,
Wie Millionen schon vor uns,
Kalte Tage, mein Freund,
Sag mir, waren sie jemals warm?

War’s nicht früher mal, mein Freund,
Etwas wärmer hier im Land?
Ohne Arbeit, kein Problem,
Vater Staat bezahlt, das war bequem.
Aber verklärt uns nicht die Zeit den Blick aufs frühre „Netz“,
Nicht so kalt und doch System!
Kalte Tage, mein Freund,
Sag mir, waren sie jemals warm?

Die Bremer Montagsdemo grüßt den Rest der Welt

Zwischenstrophe: / A – / – E / – G – / – A / d – a /
Erinnere dich, Freund!
An Hattingen und Huckingen und Rheinhausen und an der Saar:
Wir flogen raus, die Hütten machten dicht,
Mit warmen Sprüchen und Gebet!
Sag mir, war das damals warm?

Könnt es nicht sein, mein Freund,
Dass wir uns nur einlullen ließen,
Von wegen, die SPD ist fürs Soziale da?
Die sind uns doch schon lang nicht mehr warm!
Kalte Tage, mein Freund, es ist Zeit, das Herz zu wärmen!
Montagabend bin ich wieder da,
Wo das Eis zu Feuer wird:
Nie wieder allein das begreifen,
Hier war es niemals warm!

Matthias Feilke
 
Goldkante ab: Ado will die hauseigene Garnproduktion
mit 140 Arbeitsplätzen aufgeben („Tageszeitung“)

 

Die Befreiung der Frau
bleibt noch lange eine Aufgabe

Erneut gab es „Schmuddelwetter“: Wir mussten wieder unter die Rathausarkaden, um die 173. Montagsdemo am 10. März 2008 in Bremen durchzuführen. Es kamen auch nur etwa 20 Teilnehmer. Der Internationale Frauentag und die Lage der Frauen standen im Mittelpunkt der Beiträge.

Jobst Roselius für die „Bundesweite Montagsdemo
 
Lehrer mit Hartz IV abgespeist: Das Einkommen von 180.000 Menschen, die
im öffentlichen Dienst arbeiten, reicht nicht zum Leben („Spiegel-Online“)
 
IWF warnt vor Weltwirtschaftskrise: Deshalb soll der Steuerzahler die
Zockerschulden der Banker übernehmen („Süddeutsche Zeitung“)
 
Es wird sich nicht mehr klären lassen: Starb Kevin, als seinem
Ziehvater das ALG II gestrichen wurde? („Stern“)
 
„Angeschlagenes Image korrigiert“: Hochdruck-Sarkotzy
turtelt jetzt mit Michael Jackson („Bild“-Zeitung)
www.Bremer-Montagsdemo.de – 17:30 Uhr am Marktplatz