684. Bremer Montagsdemo
am 15. 10. 2018  I◄◄  ►►I

 

Gemeinsam können wir Fracking stoppen!

Harald BraunAm „Global Frackdown Day“ rund um den 13. Oktober 2018 finden weltweit dezentrale Aktionen für ein Fracking- Verbot statt. Wir sind ein lebendiger Teil dieser internationalen Bewegung. Auf Initiative der „Umweltgewerkschaft“ haben wir in den letzten Wochen und Monaten die Bevölkerung in Bremen über die umwelt- und gesundheitsschädliche Gefahr von Fracking informiert und Unterschriften gegen die geplante Ausweitung des Gasbohrens durch DEA und für ein vollständiges und echtes Verbot von Fracking gesammelt.

Trotz aller Beschwichtigungsversuche der Gas- und Ölindustrie liegen die Gefahren des Fracking nach wie vor klar auf der Hand: Grundwasserkontaminationen, Erdbeben, die Freisetzung radioaktiver Stoffe aus dem Untergrund, eine ungelöste Entsorgungsproblematik und eine miserable Klimabilanz sind die Folgen des gefährlichen Gasbohrens.

Der vor Kurzem vorgelegte Sonderbericht des Weltklimarates IPCC zeigt, dass schnelle, weitreichende Veränderungen hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien erforderlich sind, um die drohende Klimakatastrophe noch abzuwenden. Die Anwendung der Fracking- Technik zur Gas- und Ölgewinnung ist auch aufgrund der damit verbundenen Methanemissionen untragbar. Fracking muss ohne Ausnahmen in jeder Gesteinsschicht verboten werden!

„Ich hätte nicht gedacht, dass hier gefrackt werden darf“, so reagierten zahlreiche Passanten, als wir Unterschriften für das Verbot von Fracking gesammelt haben. Von der Gasindustrie werden systematisch die Gefahren vertuscht und verharmlost. Dabei wird gelogen, dass sich die Balken biegen: Angeblich enthielten die Fracfluide „Wasser mit völlig ungefährlichen Substanzen“. Beim Fracking werden aber gigantische Mengen hochgiftiger Chemikalien in erdgashaltiges Gestein gepresst.

Dadurch werden die notwendigen Risse im Gestein ausgelöst, damit das Gas besser entweichen kann. Nur so erreichen die Energiekonzerne die größten Fördermengen und den maximalen Profit. Die hochgiftigen Substanzen sind gesundheitsgefährdend, erbgutschädigend und wassergefährend. Die Wasserwerke befürchten zu Recht eine Verseuchung des Wassers der „Rotenburger Rinne“, aus der 370.000 Menschen, auch in Bremen, mit Trinkwasser versorgt werden.

Besorgt und empört haben viele Menschen für die Rettung des Bremer Trinkwassers unterschrieben. Die positive Resonanz war sehr groß: Über 50 Personen nahmen Listen, um selber zu sammeln, und einige von ihnen wurden neue Mitglieder der „Umweltgewerkschaft“. Beim „Umweltspaziergang“ am Panzenberg bei Verden haben wir in einer Protestaktion die ersten 500 Unterschriften am Bohrloch Völkersen Z4/H1 aufgehängt.

Die Versammlung mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Althusmann (CDU) am 4. Juli 2018 in Verden hat uns darin bestärkt, den Kampf für ein echtes Verbot von Fracking zu verstärken. Die Bürgerinitiativen aus Rotenburg und Verden und wissenschaftliche Experten haben den Wirtschaftsminister ordentlich in die Zange genommen. Der Umweltmediziner Dr. Bantz wies den direkten Zusammenhang von Erdgasförderung und erhöhten Krebserkrankungen in Rotenburg und die Häufung von Früh- und Fehlgeburten nach.

In den Diskussionen gab es manchmal Zweifel, ob Protestieren etwas positiv verändern kann, denn „die da oben machen doch, was sie wollen“. Sie müssten uns nicht belügen und betrügen, wenn sie keine Angst davor hätten, dass die Bevölkerung Widerstand leistet, dass sich immer mehr für die Rettung des Planenten vor dem drohenden Kollaps engagieren und dass der Wunsch nach einer Gesellschaft ohne Ausbeutung von Mensch und Natur immer größer wird.

Die großen und mutigen Proteste für die Rettung des Hambacher Waldes und für das Ende der Kohleverfeuerung zeigen doch wieder einmal, dass die Menschen im gemeinsamen Kampf stärker sind als die Umweltzerstörer in den Konzernen, Banken und Regierungen. Letzten Samstag haben sich 250.000 Menschen in Berlin der Rechtsentwicklung der Regierungen entgegengestellt!

Deshalb nutzt die Chance und unterschreibt gegen die tickende Zeitbombe namens Fracking! Inzwischen haben wir die „Schallmauer“ durchbrochen und 1.200 Unterschriften zusammen. Kommt mit zur Übergabe der Unterschriften an den niedersächischen Umweltminister am 24. Oktober 2018 im Landtag von Hannover! Macht mit in der „Umweltgewerkschaft“!

Harald Braun („Umweltgewerkschaft“)

 

Die große Mehrheit will nicht diese Rechtsentwicklung

Wolfgang LangeAm Samstag war der „Frackdown Day“, ein weltweiter Kampftag gegen Fracking. Deswegen sind heute nicht nur die Montagsdemonstranten da, sondern auch viele Umweltschützer. Herzlich willkommen! Überhaupt war es ein erfreuliches Wochenende: Am Samstag demonstrierte circa eine Viertelmillion Million Menschen in Berlin unter dem Motto „Unteilbar“ gegen Rassismus, Faschismus, Rechtsentwicklung und für Toleranz und Menschlichkeit.

Über 500 Organisationen hatten dazu aufgerufen. Zahlreiche tolle Künstler wie Herbert Grönemeyer und Konstantin Wecker traten auf. Auch aus Bremen kamen zwei volle Busse und viele auf anderen Wegen, per Bahn oder Auto. Es war eine tolle Stimmung, denn wir sind mehr! Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland will nicht diese Rechtsentwicklung, wie sie von der Bundesregierung vorangetrieben wird!

Am Sonntag verloren dann bei der Wahl in Bayern CSU und SPD zusammen 21,3 Prozentpunkte. Es war eine laute Watschn, nicht nur gegen die bayerische Regierung, nicht nur gegen Seehofer, sondern vor allem auch gegen die Bundesregierung! Die CSU bekommt bloß noch 37,2 Prozent, die SPD als fünftstärkste Partei gar nur 9,7 und muss bald um das Überspringen der Fünfprozenthürde zittern!

Nur Tage vor der Wahl hat Nahles angedeutet, die Agenda 2010 „überdenken“ zu wollen. Das hat ein gewisser Schulz auch vor der Bundestagswahl gesagt. Was hat er dann getan? Nichts für uns jedenfalls, sondern ist immer schön nach der Pfeife der Konzernbosse getanzt und hat gemeint, die Menschen wären so dumm, das nicht zu merken.

Zugestimmt hat Nahles auch der Beförderung von „Verfassungsschutz“-Präsident Maaßen, diesem widerwärtigen AfD-Unterstützer, obwohl der ganze Geheimdienst schon seit seiner Gründung von alten und neuen Nazis durchsetzt ist. Diesen Typen noch mit einem Staatssekretärsposten zu belohnen, zeigt doch, wie Nahles tickt, die große SPD-Vorsitzende!

Die Grünen sind mit 17,5 Prozent die großen Gewinner der Wahl, jedoch zu Unrecht. Natürlich freue ich mich, dass auch viele Grünen-Anhänger mitdemonstriert haben in Berlin, auch „SPDler“. Aber ihre Führung? In Baden-Württemberg zeigen die Grünen mit ihrer Umsetzung von „Stuttgart 21“ und ihrer Zustimmung zum reaktionärsten Polizeigesetz in ganz Deutschland, wie sie als Regierungspartei ticken. In Nordrhein-Westfalen stimmten sie für die Abholzung des Hambacher Waldes für den Braunkohle-Tagebau von RWE. In Hamburg stimmten sie, kaum in der Regierung, für den Bau der größten Dreckschleuder Deutschlands: des Braunkohlekraftwerks Moorburg. So richtig grün ist das nun nicht gerade!

Schon vor „Unteilbar“ in Berlin am Samstag waren in wenigen Wochen über eine Million Menschen auf der Straße. Eines ist sicher, das haben diese großen Demonstrationen der letzten Zeit gezeigt: Die Herrschenden können nicht alles so durchziehen, wie sie gern möchten! Sie haben die Massen gewaltig unterschätzt und gedacht, die lassen sich vor lauter Angst um die Arbeitsplätze alles gefallen, vom Diesel-Beschiss bis zur Waldabholzung.

Ein positives Ergebnis ist auch, dass die AfD mit 10,2 Prozent weit unter den Prognosen von 16 Prozent und unter ihrem Bundestagswahlergebnis blieb. Immer neue Meldungen zeigen, dass die AfD ein Sammelbecken für Faschisten ist und einer faschistischen Partei den Weg bereitet. Jetzt wollen sie mit einem unglaublichen Denunziantenportal die Lehrer verängstigen, um zu verhindern, dass diese ihrem Auftrag nachkommen und die Schüler zu Antifaschisten erziehen.

Seehofer klammert sich noch an den Parteivorsitz, aber weder diesen noch sein Amt als Innen- und „Heimatminister“ wird er wohl noch lange behalten können. Er muss weg! Sein unsäglicher Spruch, die Migration sei die „Mutter aller politischen Probleme“ ist auf ihn selber zurückgefallen, denn tatsächlich ist der Kapitalismus, die weltweite Herrschaft des Finanzkapitals gegen Mensch und Natur, ist die Mutter aller Probleme.

Migration aber ist die Mutter aller Gesellschaften und der Entwicklung der Menschheit! Das Polizeigesetz in Nordrhein-Westfalen wird jetzt „entschärft“: Statt 70 sind „nur noch“ 14 Tage Haft ohne Richterbeschluss und ohne konkreten Tatvorwurf möglich, wenn die Polizei „Gefahr“ wittert. Die Polizeigesetze müssen nicht „entschärft“ und nicht „kritisch begleitet“ werden, wie von „Atttac“ und Teilen von SPD und Grüne bemängelt, sie müssen samt und sonders weg! Es ist eine gute Zeit, aktiv zu werden!

Die nächsten Montagsdemonstrationen bis zum Jahresende bleiben wir auf dem Hanseatenhof. Wir wechseln also nicht wie in den vergangenen Jahren zwischen Frei- und Weihnachtsmarkt wieder auf den dunklen und wenig belebten Marktplatz. Da sind wir uns einig. Die nächste Montagsdemo auf dem Marktplatz ist also erst im neuen Jahr, am 7. Januar 2019.

Am kommenden Montag, dem 22. Oktober 2018, wollen wir über einen weiteren Vorschlag abstimmen, nämlich im November und Dezember jeweils nur eine Montagsdemonstration auf dem Hanseatenhof zu machen, und zwar am jeweils ersten Montag im Monat, also am 5. November und am 3. Dezember 2018. Für eine Weihnachtsfeier im Anschluss daran könnten wir im Jugendfreizeitheim Buntentor anfragen.

Wolfgang Lange (MLPD)
www.Bremer-Montagsdemo.de – 17:30 Uhr am Marktplatz